Warum es so gut tut, gemeinsam mit anderen zu schreiben

Ich habe eine Romanidee. Seit Jahren schwirrt die Geschichte schon in meinem Kopf herum. „Das m u s s t du schreiben!“, drängen mich wohlmeinende Menschen in meinem Umfeld. Und eigentlich steht die Geschichte ja auch längst. Ich habe meine Heldin und natürlich auch sämtliche Nebenfiguren und Gegenspieler aufs Feinste ausgearbeitet, habe sie allesamt Tagebuch schreiben lassen, um ihre jeweilige Stimme zu finden, habe ausgiebig für das Setting recherchiert, Dialoge skizziert. Sogar der Kapitelplan steht. Ich müsste eigentlich nur noch loslegen und schreiben.

Ja, genau. Loslegen. Müsste ich. Und danach einfach immer weiterschreiben, Tag für Tag Seite um Seite füllen. Tue ich aber nicht. Denn immer kommt was anderes dazwischen: Ein neuer Auftrag, ein anderes Schreibprojekt, mein Sportprogramm (ist doch auch wichtig, oder?), die Steuer, Besuch, Theaterkarten …

Oft schimpfe ich mit mir. „Du Lusche!“ sage ich streng. „Es kann doch wohl nicht so schwer sein, wenigstens eine Seite am Tag zu schreiben!“ Allerdings hilft das Schimpfen nicht wirklich, denn meine innere Schweinehund-Stimme hat natürlich längst die passende Antwort parat: „Ich weiß, ich bin ein fauler Sack“, lamentiert diese Stimme dann vor sich hin. „Was soll ich denn aber machen, ich bin nun mal so …“

Kommt euch das bekannt vor? Mir geht es eigentlich mit jedem neuen Romanprojekt so. Und manchmal scheint mir, dass es eher schlimmer statt besser wird. Was mir aber immer wieder hilft, ist mein kleines Netzwerk aus mittlerweile guten Schreibfreundinnen, die es jedes Mal schaffen, mich aus dem Sumpf der Selbstzweifel, Ausflüchte und Ablenkungen herauszuziehen. Kennengelernt habe ich sie über einen Online-Schreibkurs bei der Autorin Lea Korte, und dank mehrerer gemeinsamer Schreibwochen, die Lea regelmäßig für ihre SchülerInnen organisiert, haben sich im Laufe der Jahre über viele Kilometer hinweg sehr schöne Schreibbeziehungen entwickelt. Vor allem meine Schreib-Buddies Carla und Antje lassen nie locker. Sie haken nach, machen mir Mut und bringen mich auf Trab. So auch im vergangenen Winter. „Komm doch einfach mit“, luden die beiden mich ein. Sie hatten sich spontan für vier Wochen in einem all-inclusive-Club in Tunesien eingemietet, um dort gemeinsam zu schreiben.

Und es hat tatsächlich funktioniert. Wann immer ich eine der beiden mit ihren Laptops schreibend auf einer der Liegen sitzen sah, gab es keine Ausflüchte mehr. Wie an Fäden gezogen, musste ich meinen PC aufklappen und drauflosschreiben. Und was ich besonders genossen habe: Es gab keine Regeln. Wir konnten wunderbar schweigend nebeneinander schreiben und uns dennoch zwischendurch spontan austauschen, etwa wenn es Fragen zu klären gab, wie: Was würde ein Muttersöhnchen für seine Angebetete kochen? Und wenn eine von uns mal absolut ungestört sein wollte, zog sie einfach ihre Liege ein, zwei Meter weiter.

PS. Mittlerweile haben wir Juni, und wieder einmal komme ich mit meinem Roman nicht voran. Aber statt wie sonst daran zu verzweifeln, hoffe ich nun einfach auf die nächste Schreibauszeit. 😉 Denn dass die kommt, ist gewiss. Aus unserem spontanen Schreib-Urlaub im Februar ist nämlich unsere Initiative „Meerschreibzeit“ entstanden, was heißt: Im November werden Carla, Antje und ich wieder in den All-inclusive-Club nach Tunesien reisen, aber diesmal mit vielen anderen Schreibenthusiasten.

Komm doch auch mit!